33 Millionen Koffer…

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…gehen jedes Jahr weltweit bei Flugreisen verloren. Sie sind nicht wieder aufzufinden. Weg, futsch, auf und davon! Allein in Europa sind es täglich 10 000 Gepäckstücke, die sich scheinbar in Luft auflösen. Bislang hat sich niemand dafür interessiert. Jetzt hat die EU-Kommission angekündigt, die Rechte der Verbraucher bei Gepäckverlust an Flughäfen zu stärken. Endlich. Ein Betroffener berichtet.

Jeder kennt das Gefühl. Nach einem langen Flug stehen die Flugreisenden ungeduldig am Gepäckband – und jeder hofft, dass der eigene Koffer bald kommt. Genauso war es bei mir im November 2008. Am Flughafen Washington-Dulles warte ich und warte und warte. Nichts passiert. Die Masse am Laufband verflüchtigt sich. Am Ende bleibe ich alleine stehen, das Band hält an. Sechs Wochen sollte ich in den USA sein – und hatte jetzt nichts mehr – außer eine Jeans, ein T-Shirt und einen Rucksack voller Bücher.  

Am Lost&Found-Schalter der Lufthansa beruhigt mich die Frau. Der Koffer sei noch in Deutschland. Er käme mit einer der nächsten Maschinen in die US-Hauptstadt. Ich könnte im Internet alles genau verfolgen.  Im Hotel logge ich mich ein, der Koffer ist nirgendwo registriert. Er ist verschwunden. Stündliche, dann tägliche Anrufe bei der Lufthansa-Hotline bestätigen immer mehr diese erste Vermutung. Der Koffer ist verschwunden. Ich bekomme täglich einen Schweißausbruch – allein vor Wut. 

Bis heute ist der Koffer, den ich der freundlichen Dame am Check-In-Schalter der Lufthansa in Berlin-Tegel vor dem  Abflug  gegeben habe, nicht wieder aufgetaucht. Nach mehreren Wochen hat sich die Lufthansa endlich gerührt – und mir eine Entschädigung überwiesen. 1100 Euro – das ist die höchst mögliche Summe bei Gepäckverlust. Natürlich war in meinem Koffer mehr drin – von den persönlichen Gegenständen ganz abgesehen.

Jetzt lese ich, dass mein Fall einer von 33 Millionen jährlich ist. 33 Millionen! Das sind 90 000 Koffer täglich. Mal sei Schlamperei der Grund für den Verlust, mal ein Irrtum oder ein Diebstahl, manchmal funktioniert auch der auf dem Gepäck angebrachte Barcode nicht. Das ist doch unfassbar. Jedes Jahr verliert – sagen wir mal – die komplette Bevölkerung Polens ein Gepäckstück. Und es wird so getan als sei das höhere Gewalt.

Die Fluglinien zucken nur mit den Schultern. Natürlich sind die Airlines – in den meisten Fällen – nicht direkt für den Kofferverlust selbst verantwortlich. Aber sie sind mein Vertragspartner, wenn ich fliege. Wenn deren Vertragspartner - die Flughäfen - das Problem nicht in den Griff bekommen, dann wiederum ist es doch wieder ein Problem der Fluggesellschaften. Und dann ist es ihre verdammte Pflicht, den Kofferverlust schnell, kulant und transparent zu entschädigen. Bei der Lufthansa war die zuständige Abteilung zur Abwicklung solcher Fälle für mich nur per Fax – oder per Mail erreichbar. Kundenservice sieht leider anders aus. Der Passagier rennt seinen Rechten nur hinterher.

Ich freue mich deshalb, dass sich die EU-Kommission mit diesem Thema beschäftigt. Endlich. Und hoffentlich belegt sie die Airlines für jeden Verlust mit strengeren Auflagen und Strafen. Bis dahin nehme ich weiterhin auf Flügen so wenig Gepäck wie möglich mit. Diesen Horror will ich einfach nicht noch einmal erleben.

8 Kommentare


  1. 1 Schnobby7

    Sachen gibts….hab ich ja noch nie was von gehört!

  2. 2 lisa r.

    Ich war letztens bei einer Versteigerung. Es gab Fahrräder, Kinderwagen, Handys, Schlüsselanhänger und – Koffer. Komplett gefüllt. Mein Nachbar wollte einen dieser Koffer unbedingt, hat mitgesteigert und mitgesteigert. Schließlich bekam er den Zuschlag. In dem Koffer waren keine Schätze. Aber tatsächlich sehr persönliche Dinge. Er meinte, er würde dem Besitzer oder Eigentümer diese Dinge gern wiedergeben. Aber den kennt natürlich niemand.

    Warum richten die Fluggesellschaften eigentlich keine Internetseite ein, fotografieren die Koffer und stellen sie online. Alles natürlich “geheim”. Jeder kann dann gucken, ob eventuell seiner dabei ist. Das wäre doch mal Service…

  3. 3 Schnobby7

    hej lisa,

    super idee!

  4. 4 Leon Stebe

    Ich frage mich auch, ob es nicht intelligentere Lösungen gibt – als diese Barcodes. Oftmals fallen diese Etiketten trotz starkem Kleber auch einfach ab – und dann landet ein solcher Koffer auf einer Auktion statt bei seinem Besitzer.

  5. 5 fabi

    Ich finde Fliegen wird sowieso total überbewertet. Hat jemand mal gezählt wieviele Menschen tagtäglich etwas aus ihrem Fahrradkorb verlieren? Das muss noch nicht mal bei ‘ner roten Ampel sein…
    Ich glaube die Koffer landen alle bei 9live. “GirchenKelsen”, welche Stadt suchen wir? 5 Geldpakate und 3 Air-Berlin-Überraschungskoffer…

  6. 6 lisa r.

    He Fabi, die halbnackten Damen von 9live haben ganz offensichtlich auch alles verloren. Schöner Spaß!

  7. 7 Modesta Huot

    Ein wirklich toller Beitrag. Ich habe ihn über bing gefunden und freue mich gleich weiter lesen zu können.

  8. 8 Christoph Hainzl

    Auf http://www.kinderwagen-buggys.org gibts eine große Auswahl an Kinderwagen und Buggys. Wir haben uns einen Quinny bestellt und sind höchst zufrieden. Viele Grüße

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