
Wer Teresa Enke auf der Pressekonferenz in Hannover gesehen hat, der fragt sich unweigerlich: Warum? Warum tut sie sich das an? Warum stellt sie sich – nur wenige Stunden nachdem sich ihr Mann selbst getötet hat – der Öffentlichkeit? Es war ein souveräner, ein mutiger Auftritt – bei aller Trauer. Teresa Enke hat öffentlich gemacht, wie schwer die ganze Familie unter den Depressionen von Robert Enke gelitten hat.
“Wahrscheinlich, weil die Medien sonstwas für wilde Spekulationen in die Welt setzen würden” – schrieb mir @ray3001 via Twitter. Vielleicht weil sie ihre Trauer somit besser verarbeiten kann. Oder weil sie – so die Vermutung von DFB-Präsident Zwanziger – damit auch eine Botschaft verbindet. Teresa Enke hat sich bewusst dafür entschieden, die Hintergründe der Depressionen offen zu legen. Sie hat beschrieben, welcher Druck auf der Familie lastete. Welche Angst Robert Enke offenbar davor hatte, dass seine Depressionen öffentlich werden können. Ich lerne daraus, dass diese Krankheit nach wie vor ein grosses, ein zu grosses Tabuthema in unserer Gesellschaft ist.
Niemand spricht gerne über seine Krankheiten – über solche wie “Depressionen” schon gleich gar nicht. Ganz gleich welche sonstigen Umstände herrschen. Egal wie düster der Betroffene selbst den Tunnel empfindet. Die Leistungsgesellschaft darf nicht ein Gefühl der Angst befördern. Angst davor, zu versagen – alles zu verlieren – nichts mehr wert zu sein, wenn eine Krankheit öffentlich wird. Können sich die Vertreter aller Bereiche der Gesellschaft sicher sein, dass sie für eine Atmosphäre gesorgt haben, in der solch eine Angst unbegründet ist? Arbeitgeber, Kollegen, Lehrer, Mitschüler, Vorgesetzte, Behörden, Verbände usw. – Der DFB zumindest hat angekündigt, es prüfen zu wollen – andere Bereiche sollten nach diesem Freitod von Robert Enke genauso selbstkritisch sein.

Ich finde den Auftritt von Teresa Enke ziemlich mutig. Dazu gehört wohl einiges – einen Tag nach dem Tod ihres Mannes. Zumindest hatte die Presse keine Möglichkeit, wüste Spekulationen aufzustellen.